Besuch von Gaudís bekanntester Architektur – lohnt es sich?

Park Güell

Antoni Gaudí (1852-1926) ist einer der prägendsten Architekten Barcelonas und bekannt als der größte Vertreter der katalanischen Moderne. Er entwarf mehr als zehn verschiedene Gebäude in und um Kataloniens Hauptstadt. Sieben von ihnen sind Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Ich habe vier von ihnen besucht. Hat es sich gelohnt?

The staircase of Casa Battló
Das Treppenhaus von Casa Battló

Ich war das erste Mal 2014 in Barcelona. Es war Liebe auf den ersten Blick. Kaum eine andere Stadt bietet so viel unglaubliche Architektur, Kunst, Kultur und wunderschöne Bauwerke. Ein großer Anteil daran gebührt Gaudí. Aber auch damals waren die Eintrittspreise bereits sehr hoch und für uns als Studentinnen einfach zu teuer. Wir besuchten nur einen Teil von Park Güell, welcher damals noch kostenlos war (nur der kleinere Teil mit den bunten Bänken und Häusern kostete Eintritt). Aber schon damals wollte ich unbedingt noch mal zurückkommen, um mir Gaudís Arbeiten genauer anzusehen – und dieses Jahr war es soweit.

Park Güell, Palau Güell, Casa Milà, Casa Vicens, Sagrada Família, Casa Batlló und Cripta Güell sind die sieben Werke von Antoni Gaudí, welche Teil des UNESCO-Weltkulturerbes sind. Ich war ihn vieren davon. Generell habe ich alle meine Gaudí-Besuche sehr genossen und es nicht bereut, wirklich viel Geld dafür ausgegeben zu haben. Aber im Rückblick haben sich vor allem zwei Besuche mehr gelohnt, die anderen könnte man notfalls auch weglassen.

Ich besuchte vier der bekanntesten Arbeiten von Antoni Gaudí: Casa Batlló, Sagrada Família, Casa Vicens und Park Güell.

Casa Batlló (1904-1906)

Eintrittspreis: ab 35 Euro

The facade of Casa Battló

Casa Battló befindet sich im Stadtzentrum von Barcelona und ist eines von Gaudís bekannteren Werken. Das Haus selbst wurde bereits 1877 von Emilio Sala Cortés erbaut, jedoch beauftragte Josep Batlló später Antoni Gaudí mit dem Wiederaufbau. Gaudí gestaltete das Haus um, indem er die Fassade wie auch das Innere vollständig veränderte. Casa Batlló ist in guter Gesellschaft. Im gleichen Zeitraum wurden auch umliegende Gebäude von anderen prominenten Architekten renoviert. Dieser spezifische Zeitraum wird Bone of Contention genannt.
Seit den 1950er-Jahren ist Casa Batlló nicht mehr im Besitz der Familie Battló. Es wurde 1995 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Laut der offiziellen Seite hat Casa Battló rund 1 Million Besucher jährlich.

Mein erster Eindruck
A chandelier in Casa Battló
Die Decke im Muster einer Giraffe im Casa Battló

Wie bei jeder Arbeit Gaudís war ich auch hier besonders von seiner Bautechnik beeindruckt. Bereits die Fassade des Gebäudes ist grandios, auch wenn ich in den Balkonen immer Totenköpfe sehe (keine Ahnung, ob das wirklich welche sein sollen). Gaudí weiß wirklich, wie man Gebäude gestaltet und natürliche Elemente, Licht und Luft für seine Arbeit nutzt. Das Design seiner Räume ist unglaublich durchdacht, ich war wirklich erstaunt über die Raffinesse hinter der Gestaltung und dem Aufbau des Hauses. Für den Fall, dass du dich für einen Besuch von Casa Battló entscheidest, solltest du dir unbedingt die Zeit nehmen, dir den Audioguide komplett anzuhören. Er wird dir eine Menge über Gaudís Gedanken und Pläne hinter der Gestaltung der verschiedenen Räume verraten. Das Haus wirkt auch heute noch modern und zeigt Gaudís Genie, der seine Arbeit wirklich verstanden hat. Mein Lieblingszimmer war wahrscheinlich eines der ersten, welches ein Giraffenmuster als Deckendeko nutzt. Aber natürlich hat auch das ganze Treppenhaus samt seiner gewellten Glasfront und die Dachterrasse zu meinen Highlights gezählt. Ich war ungefähr zwei Stunden in Casa Batlló. 

On the rooftop of Casa Battló
Auf der Dachterrasse des Casa Battló
Lohnt es sich?

Dies ist wahrscheinlich der Besuch, bei dem ich am kritischsten sein muss. Ich habe Casa Battló kurz vor Ostern besucht, weshalb es auch sehr voll war. Für meinen Geschmack waren es einfach zu viele Menschen auf einmal. Ich merkte schnell, dass ich zunehmend erschöpft und genervt wegen des vielen Geschubses und den Lärm um mich herum wurde, weshalb ich den Besuch gar nicht richtig genießen konnte. Ich war ehrlich gesagt ziemlich enttäuscht von der Organisation und dass die Mitarbeiter nicht darauf achteten, dass nicht zu viele Personen gleichzeitig Zutritt haben. Ich hatte das Gefühl, dass das Hauptziel nicht darin bestand, Gaudís unglaubliche Architektur und Kunst zu zeigen, sondern einfach so viele Menschen so schnell wie möglich durchzuschleusen, um so viel Geld wie möglich zu verdienen. Und das in Kombination mit außergewöhnlich hohen Eintrittspreisen. Casa Battló war in jedem Fall interessant und ist natürlich schön anzusehen, aber ist ehrlicherweise viel zu teuer.

Solltest du trotzdem gehen wollen, solltest du deinen Besuch für morgens einplanen, um die Anzahl der Menschen etwas zu reduzieren. Beachte jedoch, dass du dafür weitere 10 Euro bezahlen musst. Das Ticket wird auch teurer, wenn du es erst an der Kasse vor Ort kaufst, weshalb du es unbedingt vorher kaufen solltest.

Inside of Gaudís Dome in Casa Battló
Im Gaudí Dome

Es gibt drei verschiedene Ticketarten: das blaue, das silberne und das goldene Ticket. Ich hatte mich für das goldene Ticket entschieden, weil ich nichts verpassen wollte. Aber ehrlich gesagt habe ich den Besuch letztendlich nur absolut überbezahlt. Meiner Meinung nach ist der Gaudí Dome, der nur im silbernen und goldenen Ticket enthalten ist, zwar schön, aber das zusätzliche Geld, das du zahlen musst, nicht wert. Dasselbe gilt für das Tablet, welches man als Guide für die teureren Tickets erhält. Der normale Audioguide ist mehr als ausreichend. Der ursprüngliche Concierge-Raum ist auch vom normalen Eingang aus sichtbar, du durchquerst den Eingangsbereich nur schneller, aber auch das rechtfertigt in meinen Augen nicht die zusätzlichen Kosten. Alles in allem hängt es sicher von deinem Geldbeutel und Interesse ab. Wenn du Casa Battló schon immer besuchen wolltest, tu es. Wenn du aber ein begrenztes Budget hast oder einfach nicht so viel Geld ausgeben möchtest, solltest du es überspringen, da es das teuerste ist.

Sagrada Família (1882-heute; Gaudí: 1883-1926)

Eintrittspreis: ab 26 Euro

Sagrada Família

Die Basilika der Sagrada Família ist wohl Gaudís bekanntestes Werk und wird sehr oft als Postkartenmotiv verwendet. Das Projekt startete 1882 und wurde ein Jahr später in 1883 von Gaudí übernommen. Er entwarf die Basilika und arbeitete bis zu seinem Tod daran, wohl wissend, dass er die Fertigstellung der Kirche niemals sehen wird. Als Gaudí 1962 starb, war weniger als ein Viertel fertiggestellt. Bis heute arbeiten viele verschiedene Architekten an der Sagrada Família, die Fertigstellung wurde für 2026 geplant – zum 100. Todestag Gaudís. Aber aufgrund mehrerer Hindernisse wie dem spanischen Bürgerkrieg, aber auch Corona kann der Termin nicht eingehalten werden. Laut der Stiftung werden die Bauarbeiten nicht vor 2030-2040 abgeschlossen sein.

The colourful windows of Sagrada Família
Die bunten Glasfenster der Sagrada Família
Mein erster Eindruck
The facade of Sagrada Família showing the crucifixion of Jesus.
Die Fassade zeigt die Kreuzigung von Jesus

Für mich war der Besuch der Sagrada Família eines meiner Highlights meiner Barcelona-Reise. Es war faszinierend so eine riesige Basilika zu besuchen, an der seit mehreren Jahrhunderten gebaut wird und dessen Architektur sich immer noch weiter wandelt. Du solltest dir unbedingt die App mit dem Audioguide vor deinem Besuch herunterladen, da diese spannende weitere Informationen zu Gaudís Werk liefert. Er erklärt beispielsweise die zwei verschiedenen Fassaden der Basilika. Der Unterschied besteht zwischen den weichen Umrissen der Geburtsszene Jesu, von wo aus dein Besuch beginnt, und der harten, eckigen Fassade auf der anderen Seite, die die Kreuzigung darstellt. Außerdem liebe ich das Farbenspiel der Fenster, das der Kirche eine gemütliche Atmosphäre verleiht sowie die Säulen im Inneren, die einen Wald symbolisieren. Alles in allem habe ich 1,5 Stunden in der Sagrada Família verbrachte und tat mich erstaunlich schwer damit, sie wieder zu verlassen.

Lohnt es sich?
Inside of Sagrada Família

Um es kurz zu machen, ich würde ja sagen. Sagrada Família war mein Lieblingswerk von Gaudí von den vieren, die ich gesehen habe. Obwohl ich die Basilika kurz vor Ostern besuchte, fühlte sich die Kirche im Gegensatz zur Casa Batlló nie zu voll an. Natürlich waren auch diesmal viele Leute da, aber ich fand, dass es nicht zu eng war. Die Sagrada Família selbst ist wirklich groß und bietet viel Platz. Ich konnte mir diesmal wirklich die Zeit nehmen, mich in Ruhe umzusehen. Da sich die meiste Architektur an den Wänden und Fenstern über dir befindet, sind die anderen Besucher nicht wirklich im Weg, wenn du dir etwas genauer ansehen willst. Anders als bei meinen weiteren Besuchen musste ich nicht warten, um die Architektur genauer zu betrachten oder ein Foto zu machen. Die Kirche bietet auch ein angebundenes Museum, welches die Geschichte, Technik, Kunst und symbolischen Aspekte hinter der Basilika erklärt.

Sagrada Família hatte für mich ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis als Casa Vicens und Casa Batlló. Die Eintrittspreise sind immer noch sehr hoch, werden aber für die Bauarbeiten der Basilika verwendet. Wenn du Low-Budget reist, kannst du den Gottesdienst nutzen, um die Sagrada Família kostenlos zu besuchen. Aber dann solltest du natürlich die anderen Betenden respektieren, für den ganzen Gottesdienst bleiben und während dieser Zeit keine Fotos machen. Außerdem solltest du möglichst früh kommen, da die Kapazität der Kirche begrenzt ist.

Casa Vicens (1883-1885)

Eintrittspreis: 18 Euro

The facade of Casa Vicens

Casa Vicens war das erste Projekt Gaudís, welches er entworfen und gebaut hat. Es wurde 1885 fertiggestellt und diente der Familie von Manuel Vicens als Sommerhaus. Später wurde das Haus unter anderem von Joan Baptista Serra de Martínez weiter ausgebaut, dessen Erweiterung Gaudís ursprünglichem Stil folgte. Casa Vicens befindet sich in der Nachbarschaft von Gràcia. Um Gaudís Haus der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, errichtete das Museum anstelle des Originals eine moderne Treppe, um die Räume miteinander zu verbinden. Wenn du Casa Vicens besuchst, kannst  du zuerst die ersten beiden Stockwerke mit den Räumen erkunden, wie Gaudí sie ursprünglich gestaltet hatte, bevor du mehr über die verschiedenen anderen Werke im dritten Stock erfahren kannst.

The terrace of Casa Vicens
Die Terrasse von Casa Vicens
Mein erster Eindruck
The smoking room of Casa Vicens
Der Raucherraum des Casa Vicens

Das Haus selbst ist einfach nur schön mit seinen Farben und zahlreichen Ornamenten. Besonders der erste Stock machte einfach nur Spaß zu erkunden. Ich liebe die Decken, die größtenteils mit verschiedenen Blumen verziert sind. Die Terrasse und das Raucherzimmer waren meine Lieblingsräume. Der gesamte Besuch einschließlich Audioguide, Fotos machen und Ansehen eines Videos über das Haus dauerte etwa 1,5 Stunden.

Lohnt es sich?
The ceiling of the lady’s room
Die Decke des Damenzimmers

Ehrlich gesagt ist der Eintrittspreis vergleichsweise hoch. Das Haus ist zwar auch von innen schön anzusehen, aber nachdem ich ein paar Tage zuvor schon im Casa Batlló war, war dieses hier eher schlicht und weniger spektakulär. Ich bereue den Besuch überhaupt nicht, besonders der Garten, aber auch die Eingangshalle, die Terrasse, das Raucherzimmer und das Damenzimmer warteten mit schöner Architektur und vielen Details auf. Aber ehrlich gesagt, wenn du Low Budget reist oder einfach nicht so viel Zeit mitbringst, kannst du dieses wahrscheinlich auch überspringen, da es weniger ungewöhnlich ist.

Park Güell (1900-1914)

Eintrittspreis: 10 Euro

The benches of Park Güell

Eusebi Güell beauftragte Gaudí 1900 mit der Gestaltung von Park Güell. Dieser wurde 1926 offiziell als öffentlicher Park eröffnet. Er ist mehr als 17 Hektar groß und damit eine der größten Grünflächen Barcelonas. Der Park ist in zwei Bereiche unterteilt, dem Monumentalen- und dem Waldgebiet. Im Park befindet sich auch das Haus von Gaudí, in dem er von 1906 bis 1925 lebte, also bis ein Jahr vor seinem Tod. Heutzutage ist sein ehemaliges Wohnhaus ein Museum. Touristen können in Gaudís Casa persönliche Gegenstände und selbst angefertigte Möbel des Architekten sehen. Der Museumseintritt ist im Park nicht inbegriffen und muss daher separat bezahlt werden.

Mein erster Eindruck
On the benches in Park Güell
Auf den Bänken im Park Güell

Park Güell ist von den vier Werken, die ich besucht habe wahrscheinlich das, an dem ich die meiste Zeit verbracht habe. Mehr als drei Stunden bis zum Sonnenuntergang sind wir durch den großen Park gelaufen, um jeden Winkel zu entdecken. Park Güell selbst bietet einen tollen Blick über Barcelona (aber von den Hügeln hinter dem Park hat man ehrlicherweise einen noch besseren Ausblick) und jede Menge schöne Architektur wie die beiden Häuser mit Dächern, die aussehen wie aus Zuckerguss. Am bekanntesten ist wohl der Drache auf der Treppe und natürlich die mit bunten Mosaiken bedeckten Bänke.

The famous dragon of Park Güell
Der berühmte Drache vom Park Güell
Lohnt es sich?
Park Güell

Meiner Meinung nach lohnt sich der Besuch. Auch wenn vor ein paar Jahren der ganze Park und später zumindest noch ein Teil kostenlos waren. Wegen der vielen Touristen hat sich die Stadt im Oktober 2013 dazu entschieden, Geld zu verlangen. Heutzutage müssen Touristen Eintritt zahlen, wenn sie Park Güell besuchen wollen. Aber die Gebühr ist mit 10 Euro wirklich okay und wird in den Erhalt des Parks und der Architektur investiert. Es gibt keine zeitliche Begrenzung, wie lange du dich mit deinem Ticket im Park aufhalten darfst, aber du kannst ihn nicht wieder betreten, wenn du ihn einmal verlassen hast. Die Eintrittskarten solltest du schon vor deinem Besuch kaufen, da es vorkommt, dass sie besonders an Wochenenden und Feiertage schnell ausverkauft sind.

Die Tickets haben ein Zeitfenster, wobei das Personal uns sagte, dass wir nicht zu der Zeit kommen müssten, die auf unseren Tickets angegeben war, nur der richtige Tag sei wichtig (aber die offizielle Seite sagt, dass man den Park innerhalb von 30 Minuten nach der festgelegten Zeit betreten muss). Die Mitarbeiter empfahlen uns, nach 18:30 Uhr zu kommen, weil dann weniger Leute im Park sind. Allerdings war dieser Tipp im April, als die Sonne bereits gegen 20:30 Uhr unterging.

Der Park ist von 7:00 bis 22:00 Uhr geöffnet, wobei die Tickets, angepasst an die Saison, nur zwischen 9:00 und 19:30 Uhr verkauft werden. Vor und nach 20 Uhr darf der Park offiziell nur von Anwohnern besucht werden, nicht aber von Touristen. Aber Park Güell verfügt sowieso nicht über künstliche Beleuchtung und sollte daher nicht nur nachts besucht werden, da du sonst die schönen Details von Gaudís Kunst verpassen würdest. Übrigens dürfen Anwohner, die in der Nachbarschaft des Parks wohnen, diesen jederzeit während der Öffnungszeiten kostenlos besuchen. Ich finde es trotzdem sehr seltsam, dass das Recht nicht für alle Bürger*innen von Barcelona gilt.

Zu guter Letzt ist ein Tipp, die Tickets immer im Voraus zu kaufen, um sicherzustellen, dass du in jedem Fall noch reinkommst und auch um von einem schnelleren Einlass zu profitieren. Alle Sehenswürdigkeiten haben einen Sonderpreis für Studierende, aber der Unterschied ist wirklich gering. Der Besuch von Gaudís Architektur ist für die meisten Menschen wahrscheinlich eine einmalige Sache, da die Eintrittspreise sehr hoch sind daher musst du letztendlich für dich selbst entscheiden, wie viel Geld dir die Besuche wert erscheinen.

Was denkst du? Hast du Gaudís Architektur schon besucht? Schreib mir gerne in den Kommentaren, ob du meine Meinung teilst oder anderer bist.

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Die Jagd nach den Polarlichtern

Northern Lights in Tromso

Die Polarlichter sind eines der ältesten Geheimnisse der Natur und wahrscheinlich auf so ziemlich jeder Reise-Bucketlist. Dieser Guide bietet dir alle Infos über die Nordlichter, die du benötigst. Außerdem werde ich meine Erfahrungen mit dir teilen und die Frage beantworten, ob sich eine Polarlichtertour lohnt. 

Northern Lights in Tromso

Nordlichter zu sehen war schon so ziemlich immer auf meiner Reise-Bucketlist. Im März 2022 hatte ich endlich genug Geld zusammen gespart, um meinen Traum in die Tat umzusetzen. Also buchte ich einen Flug nach Tromsø, eine der nördlichsten Städte Norwegens. Tromsø ist quasi auf jeder Top 10 Liste von Orten weltweit, an denen man die Nordlichter am besten sehen kann.

💡 Informationen über die Nordlichter
Die Nordlichter sind Teil verschiedenster Legenden, Mythen und Sagen. Früher wurden sie als Zeichen Gottes oder eine Botschaft von verstorbenen Menschen gedeutet. Meistens wurden sie jedoch als schlechte Vorhersagen verstanden und hatten daher eine ganz andere Bedeutung als heutzutage.
Die Polarlichter sind ein natürliches Licht, welches durch eine Störung in der Magnetatmosphäre ausgelöst wird, welche wiederum durch Sonnenwind entsteht. Die Lichter existieren an beiden Polen der Erde. Im Norden werden sie Nordlichter oder Aurora Borealis genannt. Die Lichter im Süden werden Südlichter oder Aurora Australis genannt. Die Nordlichter sind jedoch die bekannteren, da sie leichter zu erreichen sind und die meisten Regionen im Norden, von denen man sie sehen kann, bewohnt sind. Die Polarlichter können verschiedene Farben haben, die häufigste ist grün. Sie können jedoch auch rot, violett und blau sein.

Wo kannst du die Nordlichter sehen?

Normalerweise lassen sich die Nordlichter vom 60. Breitengrad aus beobachten. Seltener kann man sie aber auch auf einem niedrigeren Breitengrad bis Mitteleuropa und damit sogar über Deutschland sehen. Das kann passieren, wenn es in Kombination mit den richtigen Wetterbedingungen (Winter und klare Nächte) eine sehr starke Sonneneruption gibt. Aber natürlich habt ihr bessere Chancen, die Lichter zu sehen, wenn ihr in den Norden reist. Neben Nordnorwegen (einschließlich Spitzbergen) eignen sich auch der Norden von Kanada, Alaska, Grönland, Island sowie der Norden von Finnland, Schweden und Sibirien zur Beobachtung von Nordlichtern. Die Südlichter sind am besten von der Antarktis aus zu sehen.

Wann ist die beste Zeit, um Nordlichter zu sehen?

Nordlichter lassen sich normalerweise am besten jährlich zwischen September und März beobachten (die Südlichter sind in der umgekehrten Zeit zwischen März und September zu sehen). Danach werden die Tage zu lang und der Himmel zu hell. Während des Sommers geht die Sonne gar nicht mehr unter, man spricht von der Mitternachtssonne. Im Winter ist es das genaue Gegenteil. Besonders zwischen November und Januar ist es beinahe den gesamten Tag dunkel. An manchen Tagen geht die Sonne gar nicht auf oder wirkt zumindest eher wie in einer dauerhaften Dämmerung. Während dieser drei Monate liegen die Durchschnittswerte der Sonnenstunden zwischen 0,1 und 3 Stunden. Allerdings lässt sich Norwegen so ganz ohne Licht auch nur schwer erkunden.
Die Nordlichter sind normalerweise zu Beginn und Ende ihrer Saison am stärksten, also im September und Ende März.

Northern Lights in Tromso
Ich war ziemlich aufgeregt die Nordlichter zum ersten Mal zu sehen.

❗️ 5 Tipps für deine eigene Reise
1) Bringe genug Zeit mit
Zunächst solltest du ausreichend Zeit einplanen, um die Polarlichter tatsächlich sehen zu können. Denn du benötigst nicht nur die richtigen Wetterbedingungen, sondern auch einen Funken Glück. Wir hatten eine Woche in Tromsø eingeplant, um mehrere Nächte die Chance zu haben, die magischen Lichter tatsächlich zu sehen. An einem hat es dann tatsächlich auch geklappt.
2) Achte auf das Wetter und den Mondkalender
Der Rat, sich vorher die Wettervorhersage anzuschauen, ist zwar ein netter, aber auch ein eher nutzloser, da die meisten ihre Flüge natürlich schon Monate im Voraus kaufen, wenn die Wettervorhersagen (wenn überhaupt schon vorhanden) eher einem Glücksspiel entsprechen. Trotzdem kann es sich lohnen, dir vorher schon mal die üblichen Durchschnittswerte für die Anzahl der Regentage und Sonnenstunden für dein Reiseziel und den jeweiligen Monat anzuschauen.
Während die Wettervorhersage etwas schwieriger vorauszusagen ist, gilt dies nicht für den Mondkalender. Du kannst bereits vorab prüfen, in welcher Phase der Mond während deines Aufenthalts sein wird. Da die Nordlichter am besten bei dunklem Nachthimmel beobachtet werden können, solltest du am besten Neumond für deine Reise wählen.
3) Installiere eine Aurora-App
In den App-Stores deines Handys kannst du diverse Aurora-Apps finden. Sie zeigen dir den KP-Index (je höher, desto weiter südlich sind sie sichtbar, das Maximum liegt bei 9 und beschreibt die Stärke der geomagnetischen Aktivität), wie bewölkt der Himmel sein wird (natürlich ist hier weniger mehr) und eine Prozentzahl, die berechnet, wie gut deine Chancen in den nächsten Minuten, Stunden, Tagen oder sogar Wochen sind, um die Polarlichter zu sehen. Normalerweise verfügt die App auch über einen Alert, der dich benachrichtigt, sobald die Chancen an deinem Standort besonders hoch sind und du möglicherweise in den nächsten Minuten die Lichter sehen könntest.
Für Norwegen kannst du auch die offizielle Seite Norwegens nutzen: norway-polarlights.com.
4) Sei mobil
Nordlichter sind wie auch Sterne am besten in einer dunklen Umgebung sichtbar. Deswegen solltest du mobil bleiben und die Städte mit ihren Lichtern hinter dir lassen. Am besten ist die Sicht von einer großflächigen und flachen Stelle. Das genaue Auftauchen für die Nordlichter ist oft nur schwer vorhersagbar. Wenn du ein Fahrzeug mietest, kannst du daher leichter die (meist abgeschiedenen) Orte erreichen, um eine optimale Sicht auf die Polarlichter zu haben.
5) Sei vorbereitet
Das Warten auf die Nordlichter kann manchmal zur Geduldsprobe werden. Bringe warme Kleidung, heiße Getränke und vielleicht sogar etwas Essen mit. Falls du Fotos machen möchtest, bringe die richtige Ausrüstung wie Stativ und aufgeladene Ersatzakkus mit (die Kamera verbraucht in der Kälte besonders schnell seine Energie). Achte darauf, dass deine Kamera bereits richtig eingestellt ist. Schalte deinen Autofokus aus und wähle eine niedrige Belichtungszeit. Manchmal erscheinen die Polarlichter nur für wenige Minuten und beginnen schnell wieder zu verblassen, dann ist gut, wenn du bereits alles vorbereitet hast.

Wie sehen die Nordlichter aus?

Ich habe mal gelesen, dass jede*r  die Nordlichter etwas anders wahrnimmt. Es ist wohl wichtig zu erwähnen, dass die Polarlichter mit bloßem Auge nicht so stark zu sehen sind wie auf den Fotos, die man von ihnen kennt. Es ist viel einfacher, sie auf dem Bildschirm deiner Digitalkamera zu sehen. Bei mir war es genauso. Ich sah die Lichter zuallererst auf meiner Kamera, aber mit der Zeit wurden sie stärker. Für mich war die grüne Intensität in der Realität weit schwächer, als sie auf meinen Fotos zu sehen ist, ich habe sie mehr als ein glänzendes Schimmern wahrgenommen, was über den Himmel tanzte. Es war wirklich magisch, sie zum ersten Mal zu sehen.

Northern Lights in Tromso
Das erste Foto von Polarlichtern wurde 1892 von den deutschen Astronomen Martin Brendel und Otto Baschin aufgenommen worden.
Was kannst du von einer Nordlichter-Tour erwarten?

Es gibt ein riesiges Angebot an Nordlichter-Touren in Nordnorwegen, die teilweise eine ordentliche Preisspanne aufweisen. Normalerweise kostet eine Tour zwischen 100 und 150 €. Am günstigsten sind die Touren in großen Gruppen, meistens mit bis zu 40 Personen. Ich würde dir aber raten, darauf zu achten, dass die Gruppengröße eher klein gehalten wird. Meiner Meinung nach bieten kleine Gruppen ein besseres Erlebnis. Wähle einen kleinen Bus mit maximal 8 bis 10 Personen und eine*m Tourguide, der über Nordlichter Bescheid weiß und dir etwas über sie erzählen kann. Die meisten Tourleiter*innen werden dir auch bei deinen Kameraeinstellungen helfen, damit du das Beste aus deiner (Handy-) Kamera herausholen kannst. Die Touren bieten normalerweise auch weitere Extras wie Schneeanzüge, Stative, heiße Schokolade, ein paar Kekse oder sogar eine ganze Mahlzeit an. Die meisten teilen auch ihr professionell fotografiertes Fotomaterial aus der Nacht, sodass du dich selbst mehr auf das eigentliche Ereignis konzentrieren kannst, anstatt zu versuchen, das beste Foto zu schießen.

Abhängig von den Wetterbedingungen und den Chancen, die Nordlichter in den verschiedenen Regionen zu sehen, kann die Tour unterschiedlich lange dauern. Mein Guide erzählte bei unserer Tour, dass er die Chancen für die verschiedenen Gegenden am gleichen Tag berechnet und daher meist erst wenige Stunden vor der Fahrt entscheide, wohin er tatsächlich fährt. Manchmal führt ihn das bis zu 2,5 Stunden an die finnische Grenze. Daher kann die Tour auch alles zwischen 2 und 9 Stunden dauern, je nachdem wie weit der Guide fahren muss und zu welcher Uhrzeit sich die Nordlichter zeigen.  

Northern Lights tour in Tromso, with a bonfire

Ist eine Nordlicht-Tour ihr Geld wert?

Ich würde eine Tour alles in allem weiterempfehlen, es ist sicherlich auch davon abhängig, wie viel Glück du mit dem Wetter vor Ort hast. Manchmal sind die Nordlichter sogar direkt über der Stadt sichtbar. Meistens sind deine Chancen aber deutlich besser, wenn du dir ein Auto mietest und schaust, an welchem Ort die Wahrscheinlichkeit auf Polarlichter an diesem Abend am höchsten ist. Aber gerade wenn du alleine unterwegs und mit der Umgebung nicht besonders vertraut bist, kann dir eine Tour helfen, dich weniger mit der vorigen Planung zu stressen. Zudem brauchst du keine Angst vor langen Fahrt und der Müdigkeit auf der Rückfahrt zu bekommen. Wenn es deine erste Begegnung mit Polarlichtern ist, kann dir der professionelle Guide auch helfen, sie deutlich schneller zu entdecken. Das ist bei nur schwachen Lichtern nämlich anfangs gar nicht so einfach.

Die meisten kleineren Guides sind in der Regel miteinander vernetzt, um die besten Spots für Nordlichter zu finden. Ich habe wirklich gute Erfahrungen mit meinem Guide gemacht, da er nach wie vor vollkommen verzaubert von dem Anblick der Nordlichter war und seine Leidenschaft und dieses einzigartige Erlebnis mit uns teilen wollte.

Noch einige letzte Tipps zur Buchung …

Falls du jetzt also mit dem Gedanken spielen solltest, eine Nordlichter-Tour zu buchen, hier noch ein kleiner Tipp für dich: Lege die Tour auf den Beginn deines Urlaubs. Ich verstehe total den Impuls, sich das Beste für das Ende der Reise aufheben zu wollen, aber da zu der Beobachtung der Lichter auch etwas Glück und gute Wetterbedingungen gehören, wirst du dir wirklich dankbar sein, wenn du es möglichst an den Anfang deiner Reise packst. Denn dann kannst du die Tour – wenn nötig – nach hinten verschieben. Zumindest in Tromsø war das Angebot auch so hoch, dass die Touren noch für den gleichen Tag gebucht werden konnten.
Stell außerdem sicher, dass dein Reiseleiter*in die Tour bei schlechten (Wetter-) Bedingungen absagt. Manche haben im Kleingedruckten stehen, dass sie die Touren nur absagen, wenn es zu gefährlich ist, herumzufahren, aber nicht, wenn die Chancen generell niedrig sind (bspw. weil es zu bewölkt ist). Das ist vor allem wichtig, da du in aller Regel kein Geld zurückbekommst, auch wenn du Pech hattest und keine Nordlichter gesehen hast. Einige Anbieter gewähren dann allerdings eine zweite Tour zum halben Preis.

❗️ Tipp für ein günstiges Auto in Norwegen
Falls du beschließen solltest, alleine nach den Nordlichtern Ausschau zu halten, wäre es je nach Region ratsam, ein Auto zu mieten, um flexibler zu bleiben und die Lichter der Stadt hinter dir lassen zu können. Wir haben unser Auto bei einem Carsharing-Unternehmen gemietet, was in unserem Fall fast 60 % günstiger war als bei einem der Mietwagenanbieter. Wir haben Book a Wreck genutzt, ihr könnt sie direkt am Flughafen von Tromsø finden, sie sind aber auch in noch mehr Städten vertreten.

Egal wie du dich entscheidest, ich wünsche dir auf jeden Fall viel Glück und natürlich Spaß beim Beobachten der Polarlichter.

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Meine persönlichen Highlights und Tipps für Sintra

Palace of Pena

Zimmerdecken voller Vogelzeichnungen, sich wie Alice fühlen und Hals über Kopf in mit Zuckerguss bedeckte Paläste verlieben. Das Zimmerdecken voller Vogelzeichnungen, sich wie Alice fühlen und Hals über Kopf in mit Zuckerguss bedeckte Paläste verlieben. Das klingt auf jeden Fall nach Sintra. Wenn du auch Paläste, Schlösser und mysteriöse Gärten liebst, ist Sintra der perfekte Ort für dich. Lies mehr über meine persönlichen Highlights und hole dir Tipps für deinen eigenen Ausflug.

Initiation well

Sintra ist nur etwa 25 km entfernt von Lissabon, Portugals Hauptstadt – und daher die perfekte Wahl für einen Tages- oder sogar Wochenendausflug. Die hübsche Stadt ist voller Paläste, Sintra ist nur etwa 25 km entfernt von Lissabon, Portugals Hauptstadt – und daher die perfekte Wahl für einen Tages- oder sogar Wochenendausflug. Die hübsche Stadt ist voller Palästen, Gärten, Parks und Schlössern. Ich hatte nur einen Tag in Sintra und entschied mich dazu, den aus der portugiesischen Renaissance stammenden Palácio Nacional de Sintra (Nationalpalast von Sintra), die Gärten der Quinta da Regaleira und dem der Romantik angehörenden Palácio Nacional da Pena (Nationalpalast Pena) zu besuchen.

💡 Informationen über Sintra
Sintra ist eine Kleinstadt mit etwas weniger als 30.000 Einwohnern (Stand 2011) und voller bunter Paläste, verschlungener Gärten und prunkvoller Herrenhäuser. Sie gehört zur Metropolregion Lissabons und der portugiesischen Riviera. Außerdem ist sie Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Da sich die Kleinstadt in den Bergen und Hügeln der Serra de Sintra befindet, ist das Wetter im Sommer angenehmer. Das veranlasste den Adel verschiedener Jahrhunderte dazu, ihre Sommerresidenzen in Sintra zu errichten. Aber die Stadt war auch ein bekanntes Reiseziel für wohlhabende Künstler aus dem 19. Jahrhundert, welche ihre teuren Villen in Sintra bauen ließen.  
❗️ Tipp: Wo du deine Tickets herbekommst
Natürlich hat auch jede Sehenswürdigkeit ihre eigene Eintrittskasse. Solltest du Sintra in der Hochsaison besuchen, kann es sich aber auch lohnen, die Tickets vorher online zu kaufen oder am Ticketautomaten vor der Touristen-Information (gleich neben dem Bahnhof) zu ziehen. Es gibt verschiedene Eintrittspreise für Erwachsene und Kinder. Bei den meisten Attraktionen gibt es auch noch zusätzliche Familientickets.

Palácio Nacional de Sintra – Die königliche Sommerresidenz
The view to the Sintra National Palace
Palácio Nacional de Sintra

Der Nationalpalast von Sintra liegt nicht nur direkt im historischen Stadtkern, sondern gilt auch als das Wahrzeichen der Stadt. Besonders auffallend sind seine zwei weißen Türme. Der Palast ist das besterhaltene mittelalterliche Domizil und wurde zwischen dem frühen 15. Und späten 19. Jahrhundert als Sommerresidenz genutzt.
Besonders gut gefielen mir die bunten Wände mit seinen typisch portugiesischen Kacheln (genannt Azulejos) und den wilden Tiermustern sowie die mit goldenen Ornamenten verzierten Decken, welche mit Vögeln wie Schwänen oder auch Elstern geschmückt waren. Die Räume sind hübsch eingerichtet und geben einen guten Einblick in das Leben der königlichen Familien Portugals. Der Palast weißt viele verschiedene künstlerische Einflüsse auf, wie Gotik, Renaissance, aber auch die portugiesischen Kacheln als ein eigener künstlerischer Stil, welcher durch die Mudéjar-Kunst aus dem islamisch-künstlerischen Einfluss hervorging. Der Eintritt kostete 10 €.

Quinta da Regaleira – Der mysteriöse Garten
Chapel and Palace of Quinta da Regaleira
Quinta da Regaleira
Initiation well
Der Initiation Well

Der Regaleira-Palast ist – wie der Name schon verrät – ein großes Anwesen samt Palast, Kapelle und einem riesigen Garten mit verschiedenen Brunnen, Grotten, kleinen Seen, Türmen und Springbrunnen. Ich fühlte mich etwas wie Alice im Wunderland, als ich den verschlungenen Wegen durch den Park gefolgt bin, teilweise führen sie sogar unter die Erde. Natürlich kümmern sich Gärtner um die Gartenanlage, aber es wirkte trotzdem etwas wild (im positiven Sinne) durch all die kräftigen Farben der Pflanzen und Bäume. Ich war einfach nur begeistert! Für mich war das wirklich ein magischer Ort. Allein der Palast – oder ich würde es vielleicht eher als eine Villa bezeichnen – ist ziemlich außergewöhnlich. Es wurde im gotischen Stil erbaut und ist mit allerlei Ornamenten, Zinnen und Wasserspeiern geschmückt. Auch die Räume im Inneren sind aufwendig dekoriert, besonders gut gefallen haben mir die Holzdecken.
Ein anderes Highlight war es den Initiation Well zu sehen, welcher sich in der Mitte des Parks befindet. Wenn du die Treppe hinabsteigst und dann dem Tunnel weiter folgst, kommst du auch noch zum Unfinished Well. Beide Brunnen dienten nie als tatsächliche Wasserquellen, sondern wurden für Riten verwendet. Ich zahlte 10 € Eintritt, um den gesamten Park samt Palast zu besichtigen.

Palacio Nacional da Pena – Der bunte Palast
Palace of Pena
Palácio Nacional da Pena

Der Nationalpalast Pena ist vermutlich Sintras meistbesuchte Sehenswürdigkeit und eines der Sieben Wunder von Portugal, welche vor ein paar Jahren mithilfe eines Votings durch seine Einwohnerschaft bestimmt wurden. Auf mich wirkte es wegen seiner knalligen und poppigen Farben als wäre es aus Zuckerguss geformt. Der Palast selbst wurde durch unterschiedliche Stile geprägt, hauptsächlich der Romantik, aber auch der Gotik, Manuelinik, dem Islam und der Renaissance. Der Palast ist von einem riesigen Park umgeben, wessen Erkundung ebenfalls einige Zeit in Anspruch nimmt. Der Nationalpalast Pena wurde auf dem Serra de Sintra gebaut und bietet daher einen tollen Blick über die Stadt sowie zum Castelo dos Mouros (Maurische Burg). Ich hatte das Glück, einen wunderschönen Sonnenuntergang am Schloss zu sehen, welcher noch mehr Farbfacetten hervorbrachte.
Du kannst auch die einzelnen Zimmer des Palastes besuchen, welche ebenfalls farbenfrohe Muster und Fliesen in Kombination mit Holzmöbeln aufweisen. Ich zahlte 14 € Eintritt inklusive Besichtigung der Innenräume des Palastes. Du kannst aber auch ein Ticket nur für außen kaufen. Dieses ist mit 7,50 € immerhin fast 50 Prozent günstiger.

🚌 Wie du nach Sintra kommst
Die erste Frage, die ich mir gestellt hatte, war: Wie komme ich nach Sintra? Am einfachsten ist es, den Zug ab Lissabon zu nehmen. Du kannst entweder am Bahnhof Rossio oder Oriente einsteigen. Die Zugtickets bekommst du direkt am Ticketautomaten am Bahnhof. 2021 zahlte ich 2,30 € für eine einfache Fahrt. Sie dauert etwa 45 Minuten und die Züge fahren normalerweise mindestens zweimal pro Stunde.
Es gibt auch einen Bus nach Sintra, welcher allerdings eine längere Fahrtzeit benötigt. Mit dem Auto solltest du dagegen nicht anreisen, da die Straßen der Stadt sehr eng sind und es nur wenige Parkplätze gibt.     

The view from Palace of Pena to the Moorish Castle
Der Blick auf das Castelo dos Mouros vom Palácio Nacional da Pena
🚌 Wie du in Sintra von A nach B kommst
Sintra ist nicht zu groß, weshalb du vom Bahnhof schnell bis ins Zentrum laufen kannst oder sogar zu den weitergelegenen Palästen. Es gibt aber auch einen Bus, welcher insbesondere für Touristen gedacht ist und daher auch etwas teurer (2021 hat er fast 7€ gekostet). Normalerweise ist es eher eine Frage der Zeit und des eigenen Fitnesslevels, was die Wahl zwischen dem Bus und einer kleinen Wanderung angeht. Vom Bahnhof zum Palácio Nacional da Pena, welches einer der weitentferntesten der bekannten Paläste ist, braucht man ungefähr 1-1,5 Stunden. Allerdings ist fast der komplette Weg bergauf, da sowohl dieser als auch das Castelo dos Mauros (Maurische Burg) in den Bergen der Serra de Sintra liegen. Aber zumindest der Palácio Nacional de Sintra sowie die Gärten von Quinta da Regaleira sind ohne Aufstieg und bequem zu Fuß erreichbar.

Mein kleines Fazit: Lohnt sich ein Besuch in Sintra?

Diese Frage ist einfach zu beantworten: Ja! Ich habe meinen Tagesausflug sehr genossen und war fast ein bisschen traurig, dass ich nicht genug Zeit hatte, um noch einen Tag länger zu bleiben. Ich fand jedenfalls, dass alle von mir besuchten Sehenswürdigkeiten ihr Geld wert waren. Abhängig von der Anzahl der Stunden, die du in Sintra verbringst, solltest du dirbereits im Vorhinein Gedanken machen, welche Attraktionen du besuchen möchtest und genug Zeit dafür einplanen. Behalte die einzelnen Entfernungen im Kopf, rechne mit ein, ob du lieber den Bus nehmen oder zu Fuß gehen möchtest, plane etwas Zeit für ein Mittagessen ein und beachte die Öffnungszeiten. Mit drei Sehenswürdigkeiten war mein Tag schon sehr gut gefüllt. Aber du solltest dir auch überlegen, ob du der Typ Reisender bist, der mehr als einen Tag hintereinander Paläste besuchen möchte.

Generell sind die meist besuchten Sehenswürdigkeiten der Palácio Nacional da Pena, Castelo dos Mouros, Palácio Nacional de Sintra und natürlich Quinta da Regaleira. Aber Sintra und seine Umgebung haben noch viel mehr zu bieten. Das kann besonders empfehlenswert sein, wenn du nicht so viele andere Touristen um dich herum haben möchtest. Du kannst noch weitere Paläste besuchen wie den Palácio de Monserrate, Palácio de Seteais oder die Vila Sassetti. Falls du ein Auto hast, könnte auch eine Fahrt zum 7 km entfernten Franziskanerkloster Das Convento dos Capuchos in Frage kommen. Zudem kannst du mehr Zeit für die Umgebung des Palácio Nacional da Pena einplanen, denn von hier kannst du verschiedenen Wanderwegen folgen und bspw. den höchsten Punkt von Sintras Bergen Cruz Alta besuchen.  

Du hast den Beitrag Meine persönlichen Highlights und Tipps für Sintra auf My Travel Journal-Blog gelesen.

Berlins beste Orte für die Kirschblüten-Saison

Cherry Blossom in Berlin

Was hat die Kirschblüten-Saison in Berlin mit dem Kalten Krieg zu tun? Welche Rolle spielte Japan dabei? Und wo findest du die besten Orte für ein Meer aus rosa Blüten? – all das wirst du im folgenden Blogbeitrag erfahren.

Jedes Jahr zwischen Mitte April und Anfang Mai erblüht Berlin in einem Meer aus rosa Kirschblüten. Der genaue Zeitraum hängt von der Wetterlage ab und wie früh es im Jahr warm wird. Normalerweise blühen die Bäume zwischen zwei und drei Wochen.

💡 Informationen über Kirschblüten
Kirschblüten (auch Japanische Kirsche) oder in japanisch “Sakura” (桜 ) genannt, ist die weiße oder rosafarbene Blüte der Zierkirsche und von besonderer Bedeutung in Japan. Die Blüten des Baumes werden als die Nationalblume des Landes verstanden. In Japan steht es für die Attribute Schönheit, Aufbruch und Vergänglichkeit. In Japanisch wird es unter dem nicht-übersetzbaren Wort mono no aware” (物の哀れ) zusammengefasst, welches das bittersüße Gefühl des verblassenden Moments vergänglicher Schönheit beschreibt. Die Kirschblüten-Zeit in Japan markiert den Höhepunkt des japanischen Kalenders und den Beginn des Frühlings.
Die Japanische Kirsche ist nur ein Zierbaum und steht im Kontrast zum üblichen Kirschbaum, der wegen seiner Früchte angebaut wird.
Ein Geschenk aus Japan

Deutschland bekam die Kirschblüten 1990 als Geschenk von Japan zur deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober. Hierfür startete der japanische Fernsehsender TV Asahi eine Spendenaktion zur Bepflanzung von Kirschbäumen. Sie sammelten Geld für mehr als 9.000 Bäume, die meisten von ihnen wurden in Berlin aufgestellt.

Austausch von Spionen während des Kalten Kriegs

Die ersten Bäume wurden an der Glienicker Brücke im November 1990 angepflanzt. Die Brücke verbindet Potsdam (frühere DDR) mit (West-)Berlin und war von besonderer Bedeutung während des Kalten Kriegs, da sie von den USA und der Sowjet Union damals zum Austausch von Spionen genutzt wurden. Bis heute markiert die Brücke die Grenze (heute nur noch die Grenze zweier Bundesländer) und ist in zwei verschiedenen Grüntönen gestrichen. Sowohl die DDR als auch die BRD strichen jeweils etwa die Hälfte der Brücke. Der Teil, der von Berlin gestrichen wurde, ist dabei in einem etwas dunkleren Grünton. Das kommt zum einen daher, dass Ostdeutschland einen dezent helleren Farbton ausgewählt hat, zum anderen aber auch durch die Witterungsverhältnisse, da Westdeutschland die Brücke bereits einige Jahre zuvor gestrichen hatte.

Die längste Kirschblüten-Allee Berlins

Mehr als 1.000 Bäume säumen die TV-Asahi-Kirschblütenallee am Mauerweg zwischen dem früheren West-Berlin und der DDR. Die Allee ist mehr als 100 Meter lang. Normalerweise findet auch jedes Jahr das Hanami Festival statt. Hanami (花見) ist japanisch und bedeutet wörtlich übersetzt “Blumenschau”. Es beschreibt die japanische Tradition des gemeinsamen Besuchs und Bestaunens der ersten Kirschblüten im Frühling. In Berlin bietet das Festival ein Picknick, japanisches Essen und ein kulturelles Programm.

❗️ Kirschblütenticker
Die Stadt Teltow in Brandenburg hat einen eigenen Kirschblütenticker entwickelt. Hierdurch kann direkt von zu Hause der Zustand der Bäume an der TV-Asahi-Kirschblütenallee, der längsten Kirschblütenallee Berlins, beobachtet werden. Der Ticker besteht aus einer Fotogalerie mit aktuellen Bildern der Blüte, welche jeden zweiten Tag während der Kirschblüten-Saison erneuert wird. Du kannst den Ticker hier anschauen.
Kirschblüten treffen auf deutsche Geschichte

Die Kirschblütenbäume wurden fast ausschließlich entlang des Mauerwegs gepflanzt und markieren einige historische Orte in Berlin. Viele der Bäume befinden sich auch unter der “Bösebrücke“. Hier war am 9. Nemvember 1989, am Tag des Mauerfalls, die erste Grenzöffnung von Ost- nach West-Berlin.

🚌 Wie du zu den Kirschblüten kommst
📍 TV-Asahi-Kirschblütenallee (Grenze zwischen Berlin-Lichterfelde und Teltow):
Nimm die S25 oder S26 bis zur S-Bahn Haltestelle Lichterfelde-Süd. Von dort folgst du dem Holtheimer Weg. Nach etwa 550 Metern solltest du die Kirschblüten erreichen.
📍 Unter der Bösebrücke an der Bornholmer Straße (Prenzlauer Berg/Gesundbrunnen):
Der Mauerweg mit seinen Kirschblütenbäumen verläuft direkt unter der S-Bahn Brücke der Station Bornholmer Straße (S1, S2, S25, S26, S8, S85).
📍 Volkspark am Weinberg oder auch Weinbergpark (Mitte):
Du erreichst den Weinbergpark von der U-Bahn Station Rosenthaler Platz (U8) in rund 5 Minuten zu Fuß.
📍 Zionskirchstraße (Mitte):
Die Zionskirchstraße ist nur etwa weitere 5 Minuten zu Fuß vom Weinbergpark entfernt. Wenn du der Straße Richtung gleichnamiger Kirche folgst, wrist du eine Kirschblüten-Allee mitten in der Stadt entdecken.
📍 Schwedter Straße am Mauerpark (Prenzlauer Berg):
Die Schwedter Straße am Mauerpark liegt zwischen den U-Bahn Stationen Bernauer Straße (U8) und Eberswalder Straße (U2).
📍 Strausberger Platz (Friedrichshain):
Die Kirschbäume sind direkt an der U-Bahn Haltestelle Strausberger Platz (U5).
📍 Gärten der Welt (Marzahn):
Die Gärten der Welt bieten 22 verschiedene Garteninstallationen. Der Park kostet Eintritt und wird am besten mit der U5 bis zur U-Bahn Station Kienberg – Gärten der Welt angefahren.
Klicke hier, wenn du die offizielle Seite besuchen und noch mehr Informationen erhalten willst.
In und um Berlin sind diverse Spots, besonders entlang des Mauerwegs, an denen noch mehr Kirschblütenbäume stehen. Die hier genannten sind die bekannteren Standorte.
Der öffentliche Nahverkehr in Berlin heißt BVG, klicke hier für mehr Zugverbindungen.

Zuerst geschrieben am Mittwoch, den 12. Mai 2021: Du hast den Beitrag Berlins beste Orte für die Kirschblüten-Saison auf My Travel Journal-Blog gelesen.

Little Stories aus Dänemark – Kurze Geschichten, Kuriositäten und Trivia

Tower in Denmark

Little Stories ist eine Kategorie, welche ich auf meinem Instagram-Kanal gestartet habe und wo ich kurze Geschichten, Kuriositäten oder Trivia poste. Hier kannst du alle Postings über Dänemark finden. #littlestories

#2 Eine Wand voller Schuhe und ihre Geschichte

Welche Schuhe hast du getragen, als du die Welt bereist oder dich verliebt hast, als du zu deinem letzten Vorstellungsgespräch gegangen bist oder auch als du wegen der Quarantäne zu Hause bleiben musstest?

Diese Little Story ist über eine grüne Wand voller Schuhe, einem Kunstwerk aus Kopenhagen. Die Arbeit des dänischen Künstlers Jakob Amsgaard war Teil einer Street Art Zusammenstellung an den grünen Wänden um die Baustelle der neuen Metro Kopenhagens. Seit 2011 sind die umliegnden Zäune offen für Künstler und ihre Werke als ein temporäres Urban Lab (eine urbane Experimentierstätte).
Din sko, din historie, ny start” sagt das Schild an der Wand, das bedeutet übersetzt “Deine Schuhe, deine Geschichte, Neuanfang”. Erzähle mir eine Geschichte über deine Lieblingsschuhe, wann hast du sie getragen? Schuhe erzählen eine Geschichte, zusammen mit ihrem Besitzer – aber nicht jede*r hat Schuhe. Das war die Idee hinter Amsgaards Installation vom Juli 2014. Menschen konnten acht Stunden lang ihre Schuhe spenden und ihnen damit eine neue Geschichte geben. Damit unterstützen sie jedoch nicht nur ein kreatives Projekt, sondern konnten auch Solidarität zum Ausdruck bringen. Die Spenden und alle übrig gebliebenen Schuhe wurden an Grace Kbh weitergegeben, eine Initiative des Blå Kors Danmark (Blaues Kreuz) für Obdachlose. Das Kunstwerk machte damit auf die Problematik von Obdachlosigkeit in der Nachbarschaft Kopenhagens aufmerksam.

Eine Wand voller Schuhe: Din sko, din historie, ny start

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Urban Art in Berlin

Die Kunst liegt auf der Straße – zumindest in Berlin. Denn die deutsche Hauptstadt gehört zu den Hotspots der Urban Art in Europa und wird gerne von Künstlern aus aller Welt als Leinwand genutzt.

Das Video ist auf Englisch, verfügt aber über englische und deutsche Untertitel, die du direkt bei YouTube ein- und ausstellen kannst.

Die Graffiti-Szene startete im Untergrund von New York in den 70er-Jahren und kam innerhalb von ein paar Monaten von Amerika in die Hauptstädte Europas. In Westberlin wurde Street Art hauptsächlich von den damals aus der Gesellschaft ausgeschlossenen Gruppen genutzt. Aber bereits Ende der 70er-Jahre nahm das Interesse an Urban Art zu. Kunstschaffende entdeckten neue Techniken und Stile. Sie nutzen die Straße zum Verbreiten ihrer Botschaften – oftmals politisch motiviert – und nahmen Einfluss an der Veränderung ihrer Stadt. Besonders die Berliner Mauer fungierte als Leinwand. Urban Art etablierte sich auch in Ostberlin, jedoch waren die Künstler hier stärker eingeschränkt, da sie dem sozialistischen Realismus der DDR entsprechen mussten.

Urban Art ist der Hauptbegriff, welcher Street Art, Graffiti und allgemeine Kunst im öffentlichen Raum zusammenfasst.

Schöneberg
Urban Nation Museum

Das Urban Nation Museum (Bülowstraße 7) für urbane, zeitgenössische Kunst wurde im September 2017 in Berlin-Schönefeld gegründet (der Eintritt ist frei). So wie die Hausfassade wechseln auch die Ausstellungen etwa einmal im Jahr. Das Museum ermöglicht einen tieferen Einblick in urbane Kunst, seine Geschichte, Kunstschaffenden und Techniken. Die Urban Nation Initiative unterstützt den Austausch mit den Berliner Vierteln – nicht nur in seinen eigenen vier Wänden, sondern auch durch das One Wall Projekt. Die Idee dahinter ist jedes Jahr fünf Kunstschaffende nach Berlin zu bringen – viele der folgenden Wandgemälde sind durch das Projekt entstanden.

Bülowstraße

Kein Wunder, dass die Straße rund um die beiden U-Bahn Stationen Nollendorfplatz und Bülowstraße voller Urban Art ist, schließlich sind hier auch die Büros der Urban Nation Initiative. Das Gebäude direkt gegenüber vom Museum (Bülowstraße 101, Ecke Bülowstraße/Zietenstraße) wurde von dem in Berlin ansässigen Ecuadorianer Roberto Rivadeneira im Oktober 2020 gestaltet. Im Rahmen des One Wall Projektes kreierte er eine Metapher für die miteinander kollidierenden Zeiträume unter dem Titel Because the moment simply is (frei übersetzt: weil der Moment einfach ist). Aber auch die Häuser drumherum weisen eine bunte Mischung an Street Art in verschiedenen Größen und Formen auf (Bülowstraße 94-98).

Gleich neben dem Museum auf derselben Straßenseite (Bülowstraße 11,12) zieren die Arbeiten der beiden spanischen Kunstschaffenden Deih XLF (erstes Foto unten, links) und David de la Mano (erstes Foto unten, rechts) die Hausfassaden. Letzteres entstand erst im Mai 2019. David de la Mano übermalte sein voriges Werk, da es durch Arbeiten am Haus beschädigt worden war. Der Künstler bevorzugt das Malen von Silhouetten, Bäumen und anderen einfarbigen Symboliken. Dies bestätigt sich auch in seiner neuen Arbeit. Es heißt Gray Habit (frei übersetzt: Graue Gewohnheit) und zeigt eine schwarz-weiße Silhouette einer Frau.
Insgesamt acht Wandmalereien finden sich an der Außenfassade der Häuser (Bülowstraße 32) gleich an der U-Bahn Station Bülowstraße. Die Werke sind von unterschiedlichen Kunstschaffenden wie den englischen Künstlern D’Face und Word to Mother, dem US-amerikanischen Kollektiv Cyrcle sowie Shephard Fairey und der Gruppe Berlin Kidz. Die neuste zusätzlich angebrachte Wandmalerei zeigt eine nackte Frau mit einem roten Handschuh und einer Papiertüte über dem Kopf von 2019. Personen mit der eben erwähnten Papiertüte in einem kritischen Kontext darzustellen ist ein Markenzeichen des deutschen Künstlers Christian Böhmer. Sein Werk Speak Up. Stand Up. (frei übersetzt: Sprich es aus. Steh auf.) setzt sich mit der Gewalt gegen Prostituierte auf der Bülowstraße auseinander.

Mitte
Haus Schwarzenberg

Der kleine Innenhof des Haus Schwarzenberg (Rosenthaler Straße 39, direkt neben den Hackeschen Höfen) verzaubert mit seinen bunten Wandmalereien, Bildern, Graffitis, Collagen und Stickern. Ein näherer Blick wird dringend empfohlen, um all die versteckten Nachrichten, Zeichnungen und kleinen Details zu entdecken. Einige der Wandmalereien werden von Zeit zu Zeit übermalt. Zudem findet sich hier ein Künstleratelier, ein Kino, zwei Bars, das Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt und eine Dauerausstellung über Anne Frank.

U-Bahn Station Heinrich-Heine-Straße

Gleich neben der U-Bahn Station der Heinrich-Heine-Straße ist der Eingang des Rockclubs Sage. Die Tür selbst ist unter zahlreichen Malereien versteckt. Das Sage teilt sich seine Räumlichkeiten mit dem KitKatClub, Berlins bekanntestem Fetischclub. Direkt an der gegenüberliegenden Seite des Eingangs zum KitKatClub liegt die Wandmalerei Unter der Hand des deutschen Künstlers CASE.

Nur rund 700 m weiter in die Richtung der U-Bahn Station Mortizplatz (Heinrich-Heine-Straße 36) wartete das Werk Face Time (frei übersetzt: Gesichtszeit) der Kunstschaffenden Various & Gould direkt neben einem Parkplatz. Die Wandmalerei kombiniert die Techniken aus Siebdruckverfahren und Collage.

U-Bahn Station Birkenstraße

Der Junge mit dem verletzten Elefanten ist von dem deutschen Street Art Duo Herakut und den zwei Schweizer Künstlerinnen Wes21 und Onur. Das Wandgemälde trägt die Botschaft As long as you are standing, give a hand to those who have fallen (frei übersetzt: Solange du stehst, gib jenen die Hand, die gefallen sind) – und entstand im Laufe der ersten Ausgabe des Berlin Mural Festivals. Es befindet sich neben der U-Bahn Station Birkenstraße (Stromstraße 36).

Friedrichshain
RAW-Friedrichshain und East Side Gallery

Zu jeder Sightseeing-Tour in Berlin gehört auch ganz klassisch die Besichtigung der East Side Gallery (Müllerstraße 3-100) zwischen den S-Bahn Stationen Warschauer Straße und Ostbahnhof. Das Denkmal ist das längst erhaltene Teilstück der Berliner Mauer. Nach der Öffnung wurde die Mauer auf der Ostseite im Frühjahr 1990 von 118 Künstlern aus insgesamt 21 Ländern bemalt und verziert. Die Kunstwerke stellen die politischen Veränderungen rund um 1989 und 1990 dar.

Das RAW-Friedrichshain – oder RAW-Gelände (Revaler Straße 99, gleich neben der S-Bahn Station Warschauer Straße) ist einer der beliebtesten Orte für Nachtschwärmer in Berlin. Neben den vielen kleinen Clubs und Bars rund um den Platz bietet sich auch eine Entdeckungstour für Street Art Liebhaber an, denn die umgebenen Wände weisen alle möglichen Kunstwerke auf. Bei dem RAW-Gelände handelt es sich um ehemalige Eisenbahnhallen, welche heute für alternative Kulturprojekte zur Verfügung stehen. Es ist auch das Zuhause des Urban Spree, einer kleinen Kunstgalerie mit wechselnden Ausstellungen (der Eintritt ist frei), aber auch einem Ort für Konzerte und Festivals.

Holzmarkt25

Der Holzmarkt25 (Holzmarktstraße 25, gleich neben der S-Bahn Station Ostbahnhof) kreiert eine Art eigenes Dorf mitten zwischen den Vierteln von Mitte, Friedrichshain und Kreuzberg. Neben einer Musikschule, einer Kita, verschiedenen kreativ-arbeitenden Unternehmen, hat es auch seine eigene Bar, Restaurants und ein Säalchen für Veranstaltungen. Aber noch wichtiger: Es bietet den perfekten Ort, um direkt an der Spree zu chillen, ein Bier von der eigenen Brauerei zu trinken – und das mit seinem eigenen Club Kater Blau gleich nebenan. Die Häuser und Wände des alternativen Viertels sind voller Malereien und Kunst.