Lost in Buenos Aires

… oder wie kompliziert es sein kann in Argentinien mit dem Bus zu fahren – und mit ein paar Tipps für euren Urlaub. Ich weiß wirklich nicht, wann ich mich zuletzt so verloren gefühlt habe, aber zumindest kann ich mittlerweile darüber lachen.

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Meine erste Reise nach Südamerika

Im September 2015 schaffte ich es endlich das erste Mal in meinem Leben Europa zu verlassen. Ein Freund aus Buenos Aires lud mich in seine Heimatland ein. Wir haben uns etwa eineinhalb Jahre zuvor in Madrid kennengelernt. Wir waren damals beide im Urlaub und schliefen im selben Raum im Hostel, zusammen mit sechs anderen Fremden. Na ja, für mich waren es eigentlich nur fünf Fremde, denn ich war mit einer meiner ältesten Freundinnen unterwegs, um ein paar neue Orte in Spanien zu bereisen, unter anderem besuchten wir eine Freundin während ihres Praktikums auf Teneriffa.

Mein argentinischer Freund Fabi lebt in Banfield, was wiederum ziemlich nah an Buenos Aires dran liegt. Er holte mich zunächst vom Flughafen ab und brachte mich in seine Wohnung. Leider musste er recht schnell wieder los, da er zurück an die Arbeit musste. Daher war ich auf mich alleine gestellt. Nachdem ich mich etwas frisch gemacht hatte, wollte ich in die Innenstadt fahren. Eigentlich dachte ich, dass das alles kein Problem werden würde … aber ich fürchte, da wusste ich noch nicht, wie anders das Bussystem für Europäer ist.

Keine Fahrpläne und versteckte Bushaltestellen

Vielleicht liegt es daran, dass ich Deutsche bin. Laut den Klischees sind wir stets sehr pünktlich und viel beschäftigt. Auch wenn das sicher DSCN4243nicht für jeden gelten  wird. Aber unsere Busse haben zumindest feste Abfahrtszeiten (auch wenn sie auch gerne mal etwas später kommen) und festgelegte Strecken. Ich war mir in Buenos Aires ehrlich gesagt nicht immer ganz sicher, ob das für hier auch gilt. Sie haben auf jeden Fall keine Busfahrpläne. Es kann schon Mal passieren, dass der selbe Bus mehrmals hintereinander kommt und andere Male wartest du eine halbe Ewigkeit auf deinen Bus. Die Strecken und Bushaltestellen waren mir ein absolutes Rätsel. Die meisten Busse stoppen nach jedem zweiten Block (gemeint sind Häuserblöcke, also quasi jede zweite Einbiegung, und die kamen verdammt oft) – in Argentinien zählt man alles in Blöcken ab. Das Problem ist, dass diese Haltestellen nur schwer zu erkennen sind und auch meistens, anders als bei uns, keine Haltestellennamen haben. Ich glaube, es gibt ein kleines Zeichen, an dem man sie erkennen kann, aber man braucht schon ein geschultes Auge dafür.

Aber das sind nicht die einzigen Probleme, die als Tourist auf einen zukommen. Wenn man das erste Mal Geld von der Bank abhebt, bekommt man natürlich nur Geldscheine. Der Bus kann jedoch nur mit Münzen oder einer speziellen Busfahrkarte bezahlt werden. Genau das Problem hatte ich dummerweise auch. Daher musste ich auch jemanden anderen fragen, ob er mir den Bus bezahlen könne, weil ich mit meinem Geld nicht für mich selbst bezahlen konnte. Tatsächlich scheint es nicht besonders schwer zu sein jemanden zu finden, der den Bus für einen mitbezahlt. Alle Argentinier die ich getroffen habe waren so unglaublich freundlich und hilfsbereit. Das größere Problem wird sein jemanden zu finden, der Englisch spricht (wenn du Spanisch sprichst, hast du das Problem natürlich nicht). Nachdem ich fünf Menschen angesprochen hatte, traf ich ein Mädchen, das Englisch sprach. Aber sie musste leider in eine andere Richtung. Sie fragte jedoch ein anderes Mädchen, ob diese mir helfen könne. Das erwies sich als etwas kompliziert, denn diese sprach wiederum kein Wort Englisch und ich hatte gefühlt alles Spanisch, was ich jemals gelernt hatte, einfach wieder vergessen. Wir standen also am Straßenrand und warteten auf den richtigen Bus – Es vergingen sicher 30 Minuten. Sie stoppte einige Busse und fragte diese dann etwas, das einzige was ich verstand war „Inglesa“ (Englisch) und „chica“ (Mädchen) und ahnte daher, dass sie über mich sprach. Aber die ganzen Busfahrer schüttelten immer nur ihre Köpfe und sie stellte sich wieder stumm neben mich. Ich hatte etwas Angst, dass sie nur solange für den richtigen Bus warten musste, da sie einen brauchte, den wir beide nutzen konnten.

Holprige Busfahrten und kein „Inglesa“
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Obelisco, Buenos Aires

Endlich kam ein Bus, den wir nehmen konnten. In Argentinien muss man die Busse stoppen, in dem man ihnen seine ausgestreckte Handfläche entgegen hält. Sie werden nicht automatisch halten, nur weil Menschen an der Haltestelle warten und wenn die Busse zu voll sind, wird der Bus trotz allem einfach weiterfahren. Öffentliche Verkehrsmittel sind sehr günstig in Buenos Aires. Deswegen wollte das argentinische Mädchen wahrscheinlich auch kein Geld von mir annehmen (ich habe es wirklich versucht), aber vermutlich auch weil Argentinier einfach unglaublich freundlich sind. Das Mädchen stieg schon einige Stopps später wieder aus. Bevor sie ausstieg, bat sie den Busfahrer noch, mich an der richtigen Haltestelle herauszuschicken (sie erklärte es mir ebenfalls mit Hilfe einer Übersetzungs-App). Aber natürlich sprach der Busfahrer auch kein Englisch. Ich saß in der ersten Reihe, gleich rechts vom Busfahrer und beobachtete alle Menschen und Orte, an denen wir vorbei fuhren. Der Bus fuhr so schnell, dass es mich ordentlich durchschüttelte. Überhaupt öffnet der Busfahrer bereits die Türen während der Fahrt und fuhr auch sofort wieder los, sobald der letzte eingestiegen war, auch wenn dieser noch gar nicht bezahlt hatte.

Ich saß mehr als eine Stunde in diesem Bus. Ich fühlte mich schrecklich verloren, da ich keinen blassen Schimmer hatte, wo ich war, geschweige denn, wie ich zu dem Platz kommen sollte, an dem ich mich mit Fabi treffen wollte. Ich hoffte einfach nur, dass mich der Busfahrer an einem belebten Platz rausschicken würde und nicht in irgendeiner zwielichtigen Seitenstraße. Während dieser Fahrt sah ich wirklich alles: von heruntergekommenen Straßen mit tiefen Schlaglöchern in viel zu engen Gassen, bis hin zu mehrspurigen breiten Straßen umgeben von pompösen Bauten. Doch für eine Sekunde vergaß ich einfach alle Probleme, denn während dieser Fahrt sah ich, glaube ich, den schönsten Sonnenuntergang meines Lebens, der sich über die breiten Straßen des Highways zog.

Die gefährliche Stadt

Nach gefühlt tausend Stopps fand der Busfahrer eine Frau, die ein paar vereinzelte Worte Englisch sprach. Sie erklärte mir, dass ich den Bus noch zweimal wechseln müsse. Ich zeigte ihr meinen Stadtplan von Buenos Aires und fragte sie, wo ich sei. Sie meinte, der Ort sei noch nicht auf der Karte eingezeichnet. Das ist der Moment, indem du davon überzeugt bist, dass du niemals ankommen wirst. Die Frau half mir aber schließlich den richtigen Bus zu finden, den ich nehmen musste. Sie rief dann sogar ihre Mutter an, damit diese mir alles auf Englisch erklären konnte, da sie einige Probleme mit der Sprache hatte. Ich war ihr wirklich so dankbar. Nach ein paar Haltestellen wechselten wir den Bus und nach einer längeren Zeit, wechselten wir ihn erneut. Sie bezahlte den Bus für mich und stieg schnell wieder aus. Also stand ich wieder alleine im Bus und hatte erneut keine Ahnung, an welcher Haltestelle ich eigentlich aussteigen müsste. Eine andere Frau sprach mich an. Sie fragte mich in Englisch, ob ich ein Tourist wäre und woher ich sei. Ich kam etwas mit ihr ins Gespräch und fragte sie schließlich, ob sie mir sagen könnte, an welcher Haltestelle ich den Bus wieder verlassen müsse. Sie meinte, ich solle einfach an der letzten Bushaltestelle aussteigen, allerdings sei es dort nicht besonders sicher. Sie meinte, wenn ich meinen Freund nicht finden würde, sollte ich auf jeden Fall ein Taxi nehmen, denn es sei zu gefährlich für mich, dort alleine herumzulaufen. Das war nicht gerade das, was ich hören wollte. Das erinnerte mich daran, dass meine Schwester mich gebeten hatte, ihr jeden zweiten Tag eine Nachricht zu schicken, damit sie wüsste, dass es mir gut gehe (später meinte sie zum Glück, dass auch jeder vierte Tag ausreichend sei). Die Frau verließ den Bus ein paar Haltestellen vor mir. Um genau zu sein sagte mir der Busfahrer, wann ich den Bus verlassen sollte.

Happy End und mein Résumé
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Torre Monumental, Retiro in Buenos Aires

Die Hauptstraßen Buenos Aires‘ sind echt riesig und dort gibt es so viel Verkehr und tausende von Menschen (zudem war Freitagabend). Mich verwirrten die tausenden Straßen eher etwas. Ich hatte wirklich keine Ahnung, in welche Richtung ich laufen sollte. Ich war am Retiro Bahnhof. Um genau zu sein sind dort zig verschiedene Haltestellen für Busse und Züge. Ich schaute nach ein paar Zügen, ob mich einer eventuell wieder zurück nach Banfield bringen würde. Aber am Ende hatte ich doch noch Glück. Ich erreichte Fabi endlich auf seinem Handy und wir trafen uns an der großen Uhr bei der Retiro Station. Ich war so glücklich ihn endlich gefunden zu haben.

Mein Résumé: Wenn du das erste Mal in Buenos Aires bist, ist es wirklich verdammt schwer den richtigen Bus zu finden und zu wissen, wo man wieder aussteigen muss. Freunde von mir waren ebenfalls in Buenos Aires und erzählten mir, dass sie versucht hatten den Bus zu nehmen, jedoch zu früh ausgestiegen seien, obwohl sie die Haltestellen extra mitgezählt hätten. Ich glaube, ich habe bis zum Ende meines Urlaubs immer nur die gleichen zwei Buslinien genutzt, weil die beiden Linien die einzigen waren, bei denen ich wusste, wo ich ein- bzw. wieder aussteigen musste. Es ist um einiges einfacher Züge  oder Metros zu nehmen, da diese Haltestelle feste Namen haben und an jeder Station halten. Somit funktioniert es wie in jeder anderen größeren Stadt. Daher wäre mein Ratschlag auf jeden Fall sich eher an Züge und Metros zu halten. Um die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen zu können, benötigst du eine Sube-Karte. Diese Karte kann in den meisten Kiosken (kioskos) gekauft und mit Geld aufgeladen werden.

Ach ja, Argentinier haben im Übrigen ein spezielles Wort für Busse, sie nennen ihn „Bondi“.