Das erste Mal in einer Moschee

Wenn ein westeuropäisches Mädchen zum ersten Mal eine Moschee betritt …

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Besuch der Hagia Sophia in Istanbul

Die meisten Einwanderer meines Heimatlandes Deutschland kommen wohl aus der Türkei. Trotz allem kann ich nicht gerade von mir behaupten besonders viel über den Islam zu wissen. Ein guter Freund von mir hat mal versucht mir ein bisschen was beizubringen und erklärte mir, was es mit den fünf Säulen des Islams auf sich hat. Seine Mutter ist aus der Türkei, weshalb er natürlich um einiges besser Bescheid weiß, als ich. Ich wollte schon seit längerer Zeit unbedingt mal eine Moschee besuchen und vor allem von innen sehen. Bei einem Uni-Austausch mit Istanbul bekam ich dann endlich die Gelegenheit.

Meine erstes “Erlebnis” im Bezug auf eine Moschee war aber praktisch gesehen schon drei Tage vor dem eigentlichen Besuch. Als wir in die Stadt liefen begann ein Muezzin auf einmal von einem der Minarette herunter zu rufen und zu beten. Für mich war das anfangs erst mal ein ziemlich eigenartiges Gefühl. Vor allem weil meine Begleitung und ich begannen uns beinahe schon etwas anzuschreien, um uns über die Rufe des Muezzins hinaus weiter unterhalten zu können. Aber vielleicht kann man diese Gebetsrufe am Ende doch mit den Glocken der christlichen Kirchen vergleichen, diese sollen ja schließlich auch die Gläubigen in die Kirche rufen. 

Rituelle Waschungen und blaue Tücher

Ich mag die Architektur der vielen riesigen Moscheen in Istanbul wirklich sehr gerne. Wir besuchten die Hagia Sophia. Zunächst waschen die Muslime sich, bevor sie die Moschee betreten. Dazu sind Außen eine Reihe von Wasserhähnen angebracht. Männer und Frauen haben jeweils voneinander getrennte Waschplätze, an den jeweils gegenüberliegenden Seiten der Moschee. Es gibt eine Art vorgeschriebenes Waschritual, nachdem sich gewaschen wird und welches auch bestimmt, wann man sich waschen muss. Eine der fünf Säulen schließt das Beten ein, nach diesem sollten Muslime fünf Mal am Tag beten. Das wichtigste dieser Gebete ist jedoch freitags. 

DSCN6727Nach dem Waschen von Gesicht, Kopf und Füßen (ehrlich gesagt schauten die meisten unserer Gruppe nur dabei zu), kamen wir zu einer Menschenschlange vor der Moschee. Vor dieser verteilten Männer blaue Tücher und Röcke an Frauen. Denn Frauen, welche in die Moschee wollen, müssen ihre Beine, Arme und ihr Haar bedecken. Deswegen versuchten wir alle mehr oder weniger erfolgreich unsere Haarpracht unter den blauen Tüchern zu verstecken und bekamen auch alle blaue lange Röcke (ehrlich gesagt weiß ich gar nicht so genau, warum – Wir hatten alle lange Hosen an, aber der Mann am Eingang war wohl der Meinung, unsere Beine seien zu dünn). 

Bevor die Moschee endlich betreten werden darf, müssen auf dem Flur davor die Schuhe ausgezogen werden. Jeder bekam eine Plastiktüte, um seine Schuhe dort hineinzutun und mit sich herumtragen zu können.

Mit Selfiestick in die Moschee

Endlich war es so weit, wir durften in die Moschee. Die Hagia Sophia ist wirklich riesig, sehr schön und hat – ich denke wie jede Moschee – sehr viele Kuppeln. Die ganze Moschee ist mit Teppich ausgelegt. Einer unserer deutschen Austauschstudenten meinte, dass sich das Laufen ohne Schuhe auf dem Teppich ein bisschen wie das typische “Zuhause-Feeling” anfühle. Wir sollten vielleicht auch Teppich in unseren Kirchen auslegen und diese dann auch nur noch ohne Schuhe betreten. – Das war zumindest ein Vorschlag.   

Die Moschee wirkte sehr hell und bunt mit den vielen wunderhübschen Fenstern, bemalten Kuppeln und Säulen. Die Leuchter hingen ungewöhnlich tief. In der Hagia Sophia sind sehr viele Touristen. Ehrlich gesagt wirkt es teilweise etwas merkwürdig, wenn die Frauen mit ihren Kopftüchern auf dem Kopf und dem Selfiestick in der Hand in der Moschee für ein Foto posieren. 

Es war wirklich sehr interessant zum ersten Mal in einer Moschee gewesen zu sein und auch etwas mehr über die zweitgrößte Religion der Welt erfahren zu haben.

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